s Wächterhüüsli im Räbbäärgg

Das Rebbannwarthäuschen oder eben 's Wächterhüsli' steht mitten im Kluserrebberg.

Während Jahrhunderten diente den Aescher Rebbannwarten eine Bretterbude im Klusberg als Unterkunft. 1789 wandten sich der Aescher Meier und die Geschworenen, Hans Jakob Stöcklin, Antoni Häring, Stoffel Karrer und Antoni Nebel, mit einer Bittschrift an den Fürstbischof.

Sie hätten seit einiger Zeit Mühe, "Rebbammerte und Wintzler" zu bekommen, weil keine Unterkunft mehr vorhanden sei. Ein neues Häuschen sei nun im Bau, es koste aber 60 Pfund. Er möchte doch bitte nach dem Beispiel des Domkapitels und des Pfarr-Rektors von Pfeffingen einen Beitrag an diese Kosten leisten. Die Gemeinde erhielt darauf einen französischen "Louis d'or"  aus der Schaffnerei Reinach, wofür der Gemeindeschreiber von Aesch, Johann Georg Nebel, quittierte.

Gut 50 Jahre später, am 8. März 1842, beschloss die Gemeindeversammlung, anstelle der wiederum baufällig gewordenen Bretterhütte oberhalb der Reben des Pfeffinger Pfarrers ein steinernes Rebhäuschen zu bauen. Der Baumeister Lorenz Vogel erhielt den Akkordauftrag um 540 Franken. Eigentümerin des Häuschens wurde die Gemeinde. Für die Baukosten hatten aber die Rebbesitzer auzukommen. Den seit jeher besassen auch Bürger von Nenzlingen, Blauen, Ettingen und Pfeffingen Reben in der Klus.

Um 1850 erhielten die Bannwarte für ihre Dienste je einen Franken pro Tag. Das Häuschen diente ihnen als Unterschlupf bei schlechter Witterung und als Schlafstätte. Glücklicherweise hat das "Bammerthäuschen" all die guten und schlechten Zeiten übedauert. Heute wird es für Vorstandssitzungen der Weinbaugenossenschaft genutzt und den Mitgliedern für kleine Anlässe zur Verfügung gestellt. 1992 wurde es zu seinem 150-Jahre-Jubiläum letztmals sanft renoviert. Seither präsentiert sich das Wahrzeichen im Klusberg wieder in seiner ursprünglichen Art.

In den letzten Jahren hat sich aus der ursprünglichen Rebwache der Bannwarte ein neuer Brauch entwickelt. Während der Traubenlese im September und Oktober trifft sich Sonntags Jung und Alt in der Besenwirtschaft rund ums Wächterhüsli. Diese wird jeweils abwechslungsweise durch Rebbauern, die Zunft zu Wein- und Herbergsleuten oder andere Vereine oder Gruppierungen betreut.

Eine weitere Tradition ist der Rebensonntag. Nach dem Gottesdienst in der Rebackergrube (s Steigriebli) öffnen die Winzer die vielen Beizli im ganzen Rebgebiet  Die Gelegenheit um den neuen Wein zu degustieren! Tausende sind jeweils zwischen in der Klus und im Tschöpperli unterwegs. Die Zunft zu Wein- und Herbergsleuten wirtet beim Wächterhüsli. Zu Zunftwein und -bier serviert sie die beliebten Treberwürste mit Risotto. Wer lieber Mineralwasser oder Kaffe trinkt, oder wem eher nach einem Zvieriblättli oder einem Stück Linzertorte ist kommt auch nicht zu kurz.

Chumm und Gniess!

 

Quelle:  Richli Georg, Do wo mir eusi Räbe hei …, Weinbaugenossenschaft Aesch, 2006,
ergänzt 2018 durch den Webmaster der Zunft zu Wein- und Herbergsleuten, Christian Helfenstein