Brauchtum und Tradition

 

Die Aescher Zunft, im Jahre 1976 von fünf initiativen Bürgern gegründet, setzt sich seit Anbeginn die Ziele - als Ganzes nach aussen zu wirken, kulturelle Impulse zu geben und gesellschaftliche Signale auszustrahlen. Diese Gedanken haben heuer bereits 28 Jahre überdauert und die Zunft steckt mit ihren Wurzeln in gesundem, guten Boden und lässt die Kraft in den Stamm bis in die Aeste der Krone strömen.

Gerade in einer schnell wachsenden, modernen Bevölkerung ist man hierorts bestrebt, die Institution in die örtliche Gemeinschaft einzubetten und den dörflichen Geist zu pflegen. Neues fördern, wertvolles Altes erhalten. In diesem Sinne wirkt die Aescher Zunft als lebendiges Glied und hat diese Gedanken auch in den Satzungen festgehalten. Die Leitgedanken zur Förderung des Guten und Gemeinnützigen, der Geselligkeit und Pflege der alten Bräuche und Sitten stehen als feste Pfeiler der Aktivitäten. Man ist davon auch überzeugt, dass dies das Fundament gemeinschaftlichen Tuns ist.

Alte Bräuche und Traditionen sind in Aesch gottseidank durchaus lebendig. Sie haben einen guten Kulturboden und so ist es wert, das eigenständige, kulturelle Erbe zu erhalten und zu fördern.


 

Tradition verpflichtet

Im Klustal war schon zur Zeit der römischen Besiedlung die hervorragende Weinlage bekannt. Schriften und Dokumente aus dem Mittelalter und auch neuerer Zeit bestätigen dies. Im Jahre 1966 wurden sogar Rebstöcke ausgegraben, die nach der gemachten Bestimmung auf ein Alter von ca. 1600 Jahren hinweisen. Damit konnte erstmals aufgrund der Rebfunde bewiesen werden, dass die Römer die Rebkultur nördlich der Alpen verbreitet haben.

Auch heute noch wird das Rebgelände, das grösste im Kanton Baselland, mit viel Sorgfalt bewirtschaftet und dies auch mit Erfolg. Dank des gemeinsamen Kaufs durch die Gesellschafter ist es selbstverständlich der Stolz der Aescher Zunft, einen eigenen Rebberg mit 14 a zu besitzen. Das gepflanzte Gewächs und der Weinbau wird auch durch eigene Rebleute mit Begeisterung selbst bestellt und gepflegt. Gemäss der uralten Weisheit, dass der eigene Wein der beste und bekömmlichste Tropfen sei, wird der "Herbergswy" von den Zünftlern auch besonders bevorzugt und überdies kann er im Herbst in der selbstgeführten Eigenwirtschaft beim geselligen Dorfanlass "Winzerchilbi z'Aesch-bigott" kredenzt werden.

Der weitherum bekannte Ausdruck "Aesch-bigott" ist übrigens eine alte Redewendung, die jedoch bis heute erhalten geblieben ist. Früher brauchte man sie nun bei einem guten Herbst, ansonsten hiess es: "Oh jeehre, vo Aesch!". - Ein gutes Zeichen, dass der erstere Merkspruch noch immer Gültigkeit hat, wie auch: Vo Aesch-bigott heisst's als im Herbscht, wenn's git viel guete Suuser, drum chunnt e mängge grad dur's Johr, uf Aesch nur wägem Chluserl


 

Oeffentliche Aktivitäten

Nicht aber nur der Wein verbindet die Zunft mit dem Dorf. Es sind verschiedene weitere Aktivitäten, welche die Verbundenheit dokumentieren, so z.B. die Wieder-Einführung des Palmen- Bindens am Palmsonntag, der jährlich organisierte Ostereier-Malwettbewerb für Kinder, die Unterstützung beim traditionellen Fasnachtsfeuer, des Räbeliechtli-Umzuges, des Tagwach Blasens für die Stellungspflichtigen, ebenso der Kinder-Kletterbaum am Banntag, der seit vielen Jahren herausgegebene Aescher Nostalgie-Kalender, die Karten-Sets "E Gruss vo Aesch-bigott", die Veröffentlichung des Gedichtbändchens "Z’ Aesch-blgott dehei" von der Heimatdichterin Alice Meyer, die Produktion einer LP mit Geschichtlichem und Aescher-Liedern sowie eine CD/MC mit den musikalisch wirkenden Aescher Vereinen, die Mitwirkung in der Heimatmuseums-Kommission und Vergabungen verschiedener Art. Einiges wird noch dazukommen.


 

Pflege von Kultur und Geselligkeit

Mit internen Zunftanlässen wird versucht, den Zunftbrüdern viel Interessantes und Wissenswertes zu vermitteln, Erfahrungen zu sammeln und Freundschaften zu festigen. Bei jährlichen Kultur-Ausflügen, Besichtigungen, Vorträgen, Besuchen von Museen, historischen Stätten u.a.m. kommt die Devise zum Ausdruck - aktiv zu sein - und damit bestätigt sich auch das Gedeihen der Kameradschaft und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies entspricht auch einem alten emotionalen Bedürfnis; es ist Mittel zur Lebensbewältigung. Wir betrachten so auch Festlichkeiten mit der Symbolik der Tradition eine Zusammengehörigkeit auszudrücken, dabei mit einer Richtlinie, die Beständigkeit sichert und derer wir bei aller Offenheit Immer bedürfen.


 

Gemeinsames Denken

Der Grundstock zu gemeinsamen Denken und Handeln bildet die Fähigkeit, alle Gesellschaftsbrüder sinnvoll und ganz in die Gemeinschaft einzureihen, um so auch die Wette der Ideen verwirklichen zu können. Diese Gedanken entsprechen auch dem im Jahre 1981 geweihten Zunftbanner - mit den rot-weissen Flammenfeldern, welche die Begeisterung zur Sache symbolisieren, das Kreuz in der Mitte, das ernste und feierliche Würde zum Ausdruck bringt und dem Zunftemblem im Obereck, den Weintrauben und der Herberge, die Verbundenheit zu Scholle und Brauchtum wachhalten.


 

19. März

Alljährlich am Josefstag, am Fest unseres Kirchenpatrons, feiert die Aescher Zunft Ihren Gründungstag. Dabei lädt sie alle Namensträger von Josef, Sepp, Josefine, Finely zum populären "Seppe-Schoppe" ein. Am späteren Nachmittag treffen sich dann die rund 50 Zunftbrüder zur Jahressatzung und anschliessend wird das traditionelle Zunftmähli "Suure Mogge, Härdöpfelstogg und Rotchrut" goutiert.

Und so wird's sicherlich Tradition bleiben, ebenso das Zunftschaffen, das man mit Anpassungen an die heutige Zeit mit neuen Inhalten füllen wird zur Bewahrung alter Werte. Mit dieser geistigen Einheit sehen wir mit Zuversicht in die weitere Zukunft des Zunftgeschehens.

 

Aesch, im Jahre 2004

 

Kurt Huber †